Aus dem Intranet

Als Teil der Retro-Welle nimmt auch das Interesse am Spiel mit Flipper-Automaten wieder zu. Auch Oliver Latza liebt die bunten Geräte in seinem Keller, ist im Verein Freeplay.Ruhr e.V. in Herten aktiv und möchte mehr Menschen für das faszinierende Spiel begeistern.

Nach einem stressigen Arbeitstag flippt Oliver Latza in seinem Keller gern mal richtig aus: Hier hat er fünf Flipper-Automaten stehen. „Flippern ist Sport für mich. Augen-Hände-Koordination, schnelles Reaktionsvermögen und die nötige Konzentration lassen den Pulsschlag in sportliche Höhen steigen. Und ein Multiball mit 3 bis 6 Kugeln gleichzeitig auf dem Spielfeld kann ganz schön Stress verursachen“, schwärmt Latza, der bei ERGO im Bereich Lebensversicherung arbeitet. „Flippern für mich ein analoger Ausgleich zur Bildschirmarbeit.“

Geschicklichkeit ist das Erfolgsrezept

Das Prinzip des aus den USA stammenden Spiels hat sich über die Jahrzehnte kaum verändert: Eine Stahlkugel wird auf ein schräges Spielfeld geschleudert und der Spieler versucht, die Kugel mit den beweglichen Flipper-Fingern lange im Spiel zu halten. Berührt er Targets oder schießt Rampen, kassiert er Punkte dafür. Flippern ist also kein Glücks- sondern ein Geschicklichkeitsspiel. Der Kampf um die maximale Punktzahl macht Flippern auch für mehrere Spieler attraktiv. 

Höhepunkt der Flipper-Welle Ende der 70er

Mit seiner Flipper-Leidenschaft ist Latza keineswegs ein Exot. Die „Pinheads“ sind heute eine wachsende Zahl enthusiastischer Flipper-Fans, die ihrem Hobby mit eigenen Geräten oder in kleinen Vereinen frönen. Das war schon mal ganz anders, erklärt Latza: „Ende der 70er Jahre waren Flipper in Deutschland ein fester Bestandteil der Jugendkultur und allgegenwärtig. Ob Kneipe, Eisdiele, Pizzeria oder sogar Waschsalon, die bunten Automaten mit ihren Lichtern und Jingles gehörten zum Inventar.“ Rund 200.000 Stück waren in Deutschland aufgestellt. Häufig mussten die Spieler sich länger gedulden, bis der gefragte Flipper frei wurde.

Hersteller rüsten bei Design und Technik auf

In den 80ern und 90ern kam die Flipper-Szene dann durch Bildschirm-Spielautomaten und Computerspiele immer wieder unter Druck. Zwar wehrte sich die Automatenindustrie mit immer aufwändiger gestalteten Geräten gegen den Niedergang. „Ein Highlight war 1992 der Flipper „The Adams Family“, der spielerisch Elemente des gleichnamigen Films aufgreift“, sagt Latza. Bis heute ist das Gerät mit über 20.000 verkauften Einheiten der erfolgreichste Flipper-Automat der Geschichte. Auch Flipper mit Motiven aus „Star Wars“ oder von bekannten Rockbands feierten Erfolge. Ab Mitte der 90er verlor der Flipper jedoch trotz aller Anstrengungen der Hersteller immer mehr an Bedeutung. Die bunten Kisten verschwanden nach und nach aus den Kneipen.

Neuer Aufschwung dank Retro-Welle

Nach einer langen Durststrecke für Anbieter und Fans tut sich jedoch seit ein paar Jahren wieder was. „Dank der Retro-Mode erfreuen sich Flipper inzwischen wieder einer wachsenden Beliebtheit. Die Nachfrage auf dem privaten Markt ist groß und durch Flipper-Vereine und sogenannte Barcades wird das Flipper-Spiel wieder einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich“, sagt Latza. „In meinem Verein Freeplay.Ruhr e.V. in Herten stehen knapp 40 Geräte, die für einen einmaligen Eintrittspreis auch für Nichtmitglieder frei spielbar sind.“

Der Flipper als Kunstwerk

Flipper werden auch noch neu hergestellt. 5 bis 6 Hersteller bauen neue Geräte und verkaufen diese weltweit an Aufsteller und Sammler. Das Spielerlebnis ist bei modernen Maschinen deutlich breiter als bei den elektromechanischen Vorgängern aus den 70ern und 80ern. „Große Bildschirme, bunte LED-Technik und aufwändige Aufbauten auf den Spielfeldern machen aus dem einfachen Spiel ein Kunstwerk, das analoges und digitales Spiel verbindet. Und auch die Ziele beim Flipper-Spiel sind komplexer geworden. Es gilt Aufgaben zu erfüllen, um in das Endspiel zu kommen“, sagt Flipper-Fan Latza.

Flippern als Gemeinschaftserlebnis

Flippern muss auch kein einsames Vergnügen sein. Viele Spieler haben Lust auf Wettkampf: Es gibt Turniere, Ligaspiele, Meisterschaften und sogar eine Weltrangliste. „Im Oktober spiele ich an einem verlängerten Wochenende von Donnerstag bis Sonntag acht Turniere“, freut sich Latza. „Auch, wenn ich wohl im hinteren Feld landen werde, macht es irre viel Spaß, sich mit anderen Flipper-Nerds zu messen.“

Einstieg leichtgemacht 

Wer jetzt Lust bekommen hat, mal ein paar Stunden zu flippern, kann gerne Kontakt mit Freeplay.Ruhr e.V. aufnehmen. Die Flipper-Enthusiasten geben gern Tipps zum Einstieg. Das muss kein einsamer Spaß werden: Der Verein kann auch exklusiv für eine Gruppe gebucht werden.